arc42 gibt praxisorientierte Antwort die folgenden zwei Fragen, und läßt sich einfach an Ihre spezifischen Bedürfnisse anpassen:

  • Was sollen wir über unsere Architektur kommunizieren/dokumentieren?
  • Wie sollen wir kommunizieren/dokumentieren?

Methodisches Vorgehen in Architektur und Entwicklung soll grundsätzlich iterativ sein: Ergänzen und begleiten Sie immer (!) analytische und konstruktive Aufgaben durch systematische Rückmeldungen (Feedback).

Ständig lernen

Fangen wir mit einer grundlegenden und allgegenwärtigen Aufgabe an: Wir (genauer: alle Menschen, die in der IT-Entwicklung arbeiten) haben es mit einer sehr dynamischen Branche, ständig neuen Technologien, Methoden, Bibliotheken, Frameworks und Vorgehensweisen zu tun. Wir müssen bei Entwurf, Implementierung und Betrieb von IT-Systemen diese Innovationen berücksichtigen - zumindest ihre Auswirkungen auf unser aktuelles System einschätzen können.

Aus unserer Sicht können wir das nur leisten, wenn wir das ständig lernen zu einem grundsätzlichen Verhalten machen. Dank Internet und omnipräsentem Zugang zu Informationen haben wir dazu die Möglichkeit, wir müssen sie lediglich für uns angemessen nutzen.



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Anforderungen klären

Entwicklungsteams benötigen ein robustes und tragfähiges Fundament von Zielen, Anforderungen und Randbedingungen, um zielgerichtet entscheiden und entwickeln zu können.

Softwarearchitekt:innen können zur Klärung von Anforderung entscheidend beitragen, in dem sie beispielsweise Qualitätsanforderungen hinterfragen, funktionale Anforderungen kategorisieren und technische Risiken aufzeigen.


Strukturen entwerfen

Der Aufbau eines Systems aus kleineren Teilen (arc42 nutzt die Bezeichnung Bausteine dafür, weil das technologieneutral ist) gehört zu den fundamentalen Aufgaben in der Architektur und Entwicklung.

Die (statische) Bausteinsicht und deren (dynamisches) Pendant Laufzeitsicht fallen in den Bereich dieser Aufgabe. Ebenfalls gehören Schnittstellen dazu, die Verbindung zwischen Bausteinen bzw. unserem System und der Aussenwelt (externe Schnittstellen).


Querschnittliche Konzepte entwerfen

Übergreifende Entscheidungen, wie etwa die Auswahl der grundlegenden Technologie für Entwicklung oder Betrieb, die Wahl der Infrastruktur oder auch die eingesetzten Frameworks oder Bibliotheken - das versteht arc42 als querschnittliche Konzepte. Solche Konzepte können direkte Auswirkung auf einzelne oder auch alle Bausteine haben. Es kann sich um mehrfach oder übergreifend verwendete Architektur- oder Entwurfsmuster handeln. Konzepte können sich auch auf andere Themen beziehen, beispielsweise Techniken und Methodik für Build, Deployment, Test und/oder Release des Systems.

arc42 schlägt einen ganzen Zoo von Themen vor, die Sie in der Architektur querschnittlich lösen könnten (aber nicht müssen) - hier ein kleiner Auszug:

  • Wie wird die (grafische) Benutzungsoberfläche strukturiert und implementiert? Welche Bibliotheken oder Patterns kommen zum Einsatz?
  • Wie, wo und womit werden persistente Daten gespeichert, verteilt und wieder gelesen? Welche Datenbanken kommen zum Einsatz?
  • Wie werden Geschäfts-, Validierungs- oder Plausibilisierungregeln umgesetzt?
  • Wie geht das System und dessen Bausteine mit Fehler- oder Ausnahmesituationen um?
  • Wie geht das System mit Protokollierung und Logging um?

Mehr Details finden Sie in Sektion 8 des arc42 Templates…


Architektur kommunizieren und dokumentieren

Sie sollten Ihre Architektur- und Entwurfsentscheidungen mit den relevanten Stakeholdern abstimmen, deren Feedback einholen und gffs. einarbeiten. Manche Entscheidungen sollten Sie schriftlich fixieren: Je nach Branche, Art des Systems, Kritikalität, Risiko und/oder Vorgehensmodell mal mehr, mal weniger.

Grundsätzlich empfehlen wir, mündlich intensiv über Architekturentscheidungen zu kommunizieren, insbesondere mit und innerhalb des Entwicklungsteams. Dafür sollten Sie so sparsam wie möglich schriftlich dokumentieren: Die Schriftform erzeugt bei zukünftigen Änderungen Pflegeaufwand, den viele Teams verständlicherweise scheuen.

Das arc42 Template eignet sich sowohl für sehr sparsame wie auch sehr ausführliche und gründliche Dokumentation.


Umsetzung begleiten

Während der Entwicklungsiterationen haben Sie mit Ihrem Team viel diskutiert und sich gründlich abgestimmt. Sie haben (hoffentlich gemeinsam) Bausteine, Schnitttellen und Konzepte entwurfen - kurzum: Sie haben alles richtig gemacht.

Leider ist solch gute Kommunikation nicht ausreichend: Es könnte nämlich sein, dass sich in die Implementierung, also in den Quellcode, Abweichungen von den diskutierten, besprochenen oder sogar dokumentierten Entscheidungen einschleichen:

Ob das aus Absicht oder Versehen geschieht - Sie sollten in jedem Fall gemeinsam mit Ihrem Team sicherstellen, dass der Quellcode die Strukturen und Konzepte auch so implementiert, wie das vorgesehen war. Überprüfen Sie, ob Entscheidungen angemessen umgesetzt werden beziehungsweise die von Ihnen gewünschten Auswirkungen zeigen.

Übrigens kommt es manchmal sogar vor, dass einzelne Entwickler:innen noch viel bessere Ideen haben als die Architekturgruppe - solche Goldstücke der Implementierung könnten Sie durch die systematische Begleitung der Umsetzung finden und zum Bestandteil der Architekur machen!

Auf der anderen Seite könnten Entwickler:knnen auch Entwurfsentscheidungen oder Konzepte missverstehen oder schlecht umsetzen. In solchen Fällen sollten Sie coachen und den Betroffenen die Entscheidungen oder Konzepte erläutern oder sie bei deren Implementierung unterstützen.

In jedem Fall sollten Sie in den Quellcode Ihrer Systeme schauen (= Code-Reviews) und die Ist-Implementierung mit dem gewünschten Soll vergleichen. Erst durch diese (Detail-)Arbeit können Sie wirklich erkennen, ob und wie Architekturentscheidungen letztlich umgesetzt werden.

Gerade in größeren Teams kann eine einzelne Person nicht mehr den gesamten erstellten oder geänderten Quellcode überprüfen. Codeanalyse-Werkzeuge können helfen, aber in wesentlichen Fällen (kritische oder wichtige Stellen im System) sollten Menschen solche Reviews durchführen (nur sie können nach Gründen fragen und diese situativ einschätzen). Oft genügt es auch, kleine Teile des Quellcodes zu inspizieren, um den Aufwand dieser Aufgabe in angemessenem Rahmen zu halten.


Architektur analysieren und bewerten

Fragen Sie sich als Softwarearchitekt:in in regelmäßigen Abständen, ob ihre Entscheidungen und Konzepte die gewünschte Wirkung erzielen bzw. aus heutiger Sicht immer noch angemessen erscheinen. Diese einfache Rückkopplungsschleife bildet die Grundlage von iterativen (neudeutsch: agilen) Prozessen. Der Plan-Do-Check-Act-Kreislauf (PDCA oder Deming-Kreis) hat den systematischen Rückblick (die Check-Phase) zum System erhoben, aus gutem Grund: Nur Handeln und Entscheiden ohne Reflektion, ohne Rückblick, führt leicht zu Zielverfehlung und Aktionismus. Blicken Sie also in einen methodischen Rückspiegel und unterziehen Ihr System, Ihre Architektur- und Entwurfsentscheidungen, Ihre Konzepte etc ab-und-zu einem methodischen Review.

Im besten Fall finden Sie (bzw. Entwicklungsteam und andere betroffenen Stakeholder) immer noch alle Entscheidungen super - dann machen Sie weiter! In anderen Fällen können Sie durch die Analyse und Bewertung mögliche Schwachstellen oder Risiken zu einem frühen Zeitpunkt identifizieren und passende Verbesserungsmaßnahmen einplanen und einleiten.